Der Verein

Der Verein BauKultur Steiermark - vormals „Heimatschutz in der Steiermark“- wurde im Jahre 1909 unter Mitwirkung namhafter Persönlichkeiten unseres Landes gegründet. Die geistigen Wurzeln dieser Idee liegen, wie jene des Denkmal- und Naturschutzes, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als im Gefolge der „industriellen Revolution“ wertvolle historische Baubestände der Vernichtung anheimfielen.
Heutige Motive für die Arbeit im Verein BauKultur Steiermark sind Maßstabslosigkeit und die Überflutung mit neuen Bauprodukten einerseits und die Förderung der Nachhaltigkeit andererseits. Fest steht nach wie vor, dass die gebaute Umwelt unmittelbar die Lebensqualität jedes einzelnen Bürgers prägt. Das „Gesicht“ unserer Städte und Gemeinden sowie der Landschaften und unterschiedlichen Regionen wird durch die Architektur der Bauwerke beeinflusst. Den Prozess der Herstellung dieser gebauten Umwelt, ihre Wertschätzung im Bewusstsein der Bürger, nennen wir Baukultur.
Die Prozesse des Planens und Bauens sowie das öffentliche Bewusstsein sind daher die wichtigsten Ansatzpunkte unserer Vereinsarbeit.

 

Die Anfänge des Heimatschutzes in der Steiermark (1909­–1918)

(Verfasst von Dr. Antje Senarclens de Grancy)

 Der Heimatschutz entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland als Reaktion auf die Landschafts- und Stadtbildveränderungen, die durch Industrialisierung und Großstadtentwicklung ausgelöst und als krisenhaft wahrgenommen worden waren. Er entwickelte sich zu einer internationalen Kulturreformbewegung, die in zahlreichen Städten zur Gründung von Vereinen führte – 1909 auch in Graz.
Von Beginn an setzte sich der Verein für Heimatschutz in Steiermark schlagkräftig und mit Unterstützung hoher gesellschaftlicher Kreise für eine Erneuerung der „heimischen“ Bauweise ein. Er war Impulsgeber in vielfältiger Hinsicht und Sammelbecken für Anhänger einer konservativen Kulturreform. Seine Vertreter orientierten sich stark an den Ideen des Architekten und Publizisten Paul Schultze-Naumburg und an den Heimatschutzvereinen in Deutschland.Im Auftrag des Vereins Baukultur Steiermark hat die Kunsthistorikerin Antje Senarclens de Grancy nun die Entstehungsgeschichte des steirischen Heimatschutzvereins untersucht. Dabei konnte auf das umfangreiche Vereinsarchiv, das im Frühjahr 2009 dem Steiermärkischen Landesarchiv übergeben wurde, zurückgegriffen werden.

Förderer und Mitglieder
In den Jahren von seiner Gründung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges entwickelte sich der Verein für Heimatschutz in Steiermark zu einer gesellschaftlich anerkannten Plattform. Die Liste der Förderer und Mitglieder liest sich wie ein Who is Who der bürgerlichen und aristokratischen Eliten. Als Präsident fungierte k.k. Statthalter Manfred Graf Clary und Aldringen, das Protektorat des Vereins übernahm 1911 Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand.Erster Geschäftsführer war der Kunsthistoriker Walter von Semetkowski, der bereits bei der Vereinsgründung die treibende Kraft gewesen war. Auch Viktor von Geramb, der spätere Leiter des Steirischen Volkskundemuseums, engagierte sich schon in den ersten Jahren. Noch vor 1914 bildeten sich zahlreiche Ortsgruppen in der ganzen Steiermark, v.a. in der Obersteiermark, die auf lokaler Ebene die Vereinsinteressen vertraten.

„Besserung der Bauweise“
Neben dem Schutz der Natur, der historischen Stadtbilder und Baudenkmäler sowie der traditionellen Gebräuche, Lieder und Trachten stand v.a. die „Besserung“ der zeitgenössischen Architektur und die Weiterentwicklung einer „bodenständigen“ Bauweise im Zentrum. Kritisiert wurden besonders die „verlogenen“ Bauten des Historismus sowie die „Verschandelung“ der Ortschaften durch Zinskasernen, Spekulationsobjekte und überdimensionierte, nicht ins ländliche Bild passende Schulbauten. Charakteristisch für die Vereinsarbeit der Anfangsjahre war eine ambivalente Haltung in Bezug auf Tradition und Erneuerung – so wurden trotz der Fokussierung auf da Alte und Überkommene „moderne“ Prinzipien wie Zweckmäßigkeit und Materialgerechtigkeit gefordert und der technische Fortschritt nicht prinzipiell verurteilt. Der von Beginn an geschmacksbildend tätige Verein trug wesentlich zur Herausbildung der besonders traditionsorientierten steirischen Architekturmoderne der Zwischenkriegszeit bei, die sich markant von der internationalen, fortschrittsgerichteten Moderne abzusetzen suchte.

Heimisch – steirisch – deutsch
Ein weiteres Charakteristikum des Vereins war eine starke Affinität zu deutschnationalen, später völkischen Inhalten. „Deutsch“ und „steirisch“ wurden als problemlos vereinbare Grundkomponenten des „Heimischen“ betrachtet. In der Folge wurde ein nach süddeutschen Vorbildern homogenisierter „Heimatschutzstil“ verbreitet, der das „Welsche“ und „Slawische“ aus der Grazer und steirischen Architektur ausblendete. Mit den politischen und ideologischen Spannungen in den Jahren um und nach dem Ersten Weltkrieg tendierte der ursprünglich recht vage verwendete Heimat-Begriff zu einer Art völkisch-nationalem Kampfbegriff gegen das „Fremde“.

Aktivitäten
Um die Vereinsziele möglichst erfolgreich umzusetzen, wurde mittels Flugschriften und Broschüren (z.B. „Schulhausbauten im Sinne des Heimatschutzes“), Pressekontakten, Vorträgen (z.B. „Zeitgemäße Bauweise und Heimatschutz“) und Ausstellungen (z.B. „Pflege der heimischen Bauweise in Deutschland“) eine intensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Neben der Schulung von Baufachschülern stand auch die individuelle Beratung von öffentlichen und privaten Bauherren bei konkreten Projekten im Zentrum. 1912 wurde zu diesem Zweck unter der Leitung des Architekten Adolf von Inffeld eine Bauberatungsstelle mit zahlreichen Bildbeispielen eingerichtet. Besonders erfolgreich war der Heimatschutzverein bei seinen Beratungen auf dem Gebiet des Schulbaus, was durch zwei Erlässe des Landesschulrates (1909, 1910) unterstützt wurde. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutete für die Vereinsaktivitäten eine Zäsur. Im Vordergrund stand nun die Beratung beim Entwurf von Kriegerdenkmälern sowie beim Bau von Kriegerheimstätten für die Familien von Kriegsinvaliden. Ab 1915 wurden an die steirischen Frontsoldaten kostenlos die Flugblätter „Heimatgrüße“ verschickt, die sich als Vorboten der Radikalisierung des kulturellen Umfeldes des Vereins für Heimatschutz in der Zwischenkriegszeit lesen lassen.